Teure Becken, knausrige Kunden: Die Realität der lokalen Aquakultur

Philipp Hämmerli | 11. Dezember 2025

Der Endmarkt für lokal produzierte Fische und Meeresfrüchte bleibt klein. Landbasierte Aquakulturen mit hohen Investitions- und Produktionskosten treffen auf eine überschaubare Käuferschaft von teuren, aber regionalen Produkten. Seit der Pandemie, wo Geld kurzzeitig locker sass, zahlten daher viele Gründer und Investoren Lehrgeld – weltweit. Die freigewordenen Plätze nehmen in Zukunft lediglich innovative Unternehmen ein, die Schritt für Schritt nehmen.

Shrimps: Gerne lokal, aber günstig.

Platz für Premiumanbieter

Die lokale Nahrungsmittelproduktion in der Schweiz bleibt weiterhin ein Wunschszenario der Gesellschaft und löst dabei einige Zielkonflikte wie beispielsweise den Kampf um bezahlbaren Wohnraum und Grünflächen versus Industrieareale aus. Oder das Tauziehen um Fachkräfte als auch erschwingliche Lebensmittelpreise. Für kleine Premiumanbieter mit lokaler Produktion gibt es volumenmässig begrenzt Raum, für die breite Masse wird es nicht reichen. An der Kasse im Supermarkt bleibt der Durchschnittskonsument knausrig: Der Preis entscheidet. Ein lokaler Produzent, der sich mit "Swissness" profilieren kann, ist LuckyShrimp aus Oberwinterthur. Versteckt in einer Industriehalle befindet sich deren Garnelenproduktion, wo man auf die spezielle Biofloc-Technologie setzt.

In dieser Industriehalle produziert LuckyShrimp (Quelle: Bonafide)

Schritt um Schritt

In langen Pondkanälen und unter Einsatz von Holzmaterialien errichteten die Tüftler um Alex Dubsky ihre zweite Testanlage, um die Produktionsmenge schrittweise zu steigern. Seit 2019 fanden ihre ersten eigenen Zuchtzyklen in einem Keller im Zürcher Oberland statt. Zuvor sammelte der Umweltingenieur Knowhow an der University of Kentucky in den USA, einer renommierten Adresse für die Biofloc-Technologie. Bereits existieren Pläne für die nächste Testanlage. Diesmal in einem ehemaligen Schweinestall, wo die Erfahrungen der jetzigen Testanlage einfliessen werden. Das bräunlich gefärbte, nährhafte Wasser mag auf Konsumenten abstossend wirken, ist aber gang und gäbe in Mangrovenwäldern, wo Garnelen heimisch sind.

Eines der zahlreichen Becken von LuckyShrimp (Quelle: LuckyShrimp)

Biofloc bietet Einsparpotenzial

Die Biofloc-Technologie setzt auf einen selbstregulierenden Mikroorganismus in einem geschlossenen Wassersystem. Die Bakterien wandeln die Ausscheidungen der Garnelen in Proteine um, die wiederum als Futtermittel für die Tiere dienen. Es ermöglicht hohe Einsparungen bei den Futtermittelkosten, da zwischen 20-50% weniger externes Futter eingekauft werden muss. Nahrung ist bekanntlich der grösste Kostenblock in der Aquakultur, entsprechend hat die Biofloc-Technologie ihren Reiz. Das grösste Risiko sind sich verändernde Parameter im Wasser. Garnelen brauchen Sauerstoff, während das Umfeld für die Bakterien ebenso stimmen muss. Die permanente Überwachung 24 Stunden, 7 Tage die Woche und Notfallpläne, um geeignet reagieren zu können, sind daher Kernelemente dieser Zuchtstrategie.

Einer von tausenden Shrimps in der Aufzucht (Quelle: Bonafide)

Effizienter Kapitaleinsatz

Landbasierte Anlagen, die ein Vielfaches an Investitionskapital verschlingen, verlangen einen möglichst hohen Kapitalumschlag, um eine akzeptable Rendite zu erzielen. Entsprechend ist der (erfolgreich implementierte) dreimonatige Zyklus für die Aufzucht der Garnelen ein Muss. Im Gegensatz zu mehreren Konkurrenten in Europa, die in den vergangenen Jahren Konkurs anmelden mussten, baute LuckyShrimp nie einen teuren Palast. Mildere Abschreibungskosten sind die Folge. Das eigene Anlagendesign spart zudem teure Serviceverträge von Drittanbietern, fördert aber eine Abhängigkeit zu Schlüsselpersonen.

Endprodukt gefroren in 1kg Beutel für Gastronomie (Quelle: Bonafide)

Umfeld in der Schweiz (noch?) nicht optimal

Wenn landbasierte Aquakulturanlagen für die Ernährungssicherheit der Schweiz künftig eine Rolle spielen sollen, ist LuckyShrimp eines der wenigen förderwürdigen Projekte. Der weiter steigende Platzmangel in der Schweiz sowie die hohen Lohnkosten verlangen aber unternehmerische Flexibilität. Oft bringen regionale Züchter das Argument bezüglich CO2-Emissionen für den Transport von fernen Nationen hervor. Uns überzeugt dies wenig, solange Futter oder Inhaltsstoffe ebenso aus dem Ausland importiert werden müssen. Fortschritte in der Kreislaufwirtschaft mit beispielsweise Insekten als Futterbestandteil könnten Abhilfe schaffen. Nicht vergessen darf man, dass Indoor-Anlagen energieintensiver als herkömmliche Aquakulturen sind. Gerade die Schweiz ist im Winter als Stromimporteur anfällig. Aber die Zeit, Werte und Ressourcen können das Umfeld positiv verändern.

Hoher Anspruch ans Tierwohl in der Schweiz (Quelle: LuckyShrimp)

„Ziel bei LuckyShrimp ist es, trotz Produktion in der Schweiz preislich mit importierten Bio-Shrimps mithalten zu können – und das wird nur über konsequente Effizienz und das selbst entwickelte System erreicht. So sind die Shrimps heute bereits rund halb so teuer wie vergleichbare Schweizer Produkte.“

Alex Dubsky, Geschäftsführer Lucky Shrimp AG

Mehr über das Unternehmen erfahren Sie auf der Webseite: luckyshrimp.ch

Logo und Zuchtspezies von LuckyShrimp (Quelle: LuckyShrimp)

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