1. Bericht aus Chile: Lachszucht
Anfang 2019 haben wir die Gelegenheit genutzt, während des chilenischen Sommers einige Lachsfarmen zu besichtigen.
Während Longevity und Gesundheitsoptimierung immer stärker in den Fokus rücken, bleibt ein entscheidender Faktor oft unbeachtet: die Versorgung mit Omega-3 aus maritimen Quellen. Die Diskrepanz zwischen Bedarf und tatsächlicher Aufnahme ist grösser, als viele vermuten – und eröffnet neue Perspektiven, auch über die Gesundheit hinaus.
Omega-3 ist essenziell für unsere Gesundheit – und dennoch sind viele Menschen unterversorgt. Blutanalysen zeigen seit Jahren, dass ein Grossteil der Bevölkerung nicht die empfohlenen Werte erreicht, insbesondere beim sogenannten Omega-3-Index, der den Anteil von EPA und DHA im Körper misst. Als optimal gelten Werte zwischen 8 und 11 %, doch viele Menschen liegen deutlich darunter.
Ursachen dafür sind vor allem veränderte Ernährungsgewohnheiten, ein hoher Konsum von Omega-6-Fettsäuren und ein fehlendes Bewusstsein für die eigene Versorgung. Der Konsum von fettreichem Fisch ist in vielen Regionen zu gering, während über Jahrzehnte hinweg industrielle Ernährungsweisen zugenommen haben. Das Ergebnis ist ein struktureller, globaler Mangel, der eine stabile und langfristig wachsende Nachfrage nach Omega-3 schafft.
Um das Thema greifbarer zu machen, haben wir bei Bonafide unseren eigenen Omega-3-Index messen lassen. Wir sind bekanntlich bekennende Pescetarier, lagen aber mit Werten von <6% unter dem empfohlenen Bereich. So begannen wir nebst dem Konsum von fettreichem Fisch wie Lachs und Makrelen mit der gezielten Supplementierung von Omega-3 in seiner urtümlichsten Form: Lebertran. Schon die Wikinger, Grönländer und die Inuit verwendeten das aus der Leber von Kabeljau gewonnene Öl als Stärkungsmittel. Den Zielwert haben wir noch nicht erreicht, aber Zwischenresultate zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Die Erfahrung zeigt: Der Mangel ist real, aber messbar und beeinflussbar. Erst durch einen konkreten Wert entsteht Bewusstsein für die eigene Versorgung. Gleichzeitig wird deutlich, dass selbst eine bewusste Ernährung oft nicht ausreicht, um optimale Werte zu erreichen. Supplementierung kann effektiv sein – erfordert jedoch Konsistenz. Unsere persönliche Entwicklung spiegelt damit im Kleinen wider, was sich auch im grossen Bild zeigt: eine strukturelle Unterversorgung trifft auf eine wachsende Bereitschaft, diese aktiv zu adressieren.
Während unser 2012 lancierter «Global Fish Fund» altbacken klingt, ist das Nischenprodukt eine Wette auf das Thema «Langlebigkeit» (in Englisch: Longevity). Denn die Chance auf ein «langes Leben» besteht prinzipiell aus drei Kernelementen: genügend Bewegung, ausgewogene Ernährung und Zugang zu einem funktionierenden Gesundheitswesen. Das steigende Bewusstsein führt dazu, dass zusätzlich Longevity-Center und Labore, die Beratung und Tests anbieten, wie Pilze aus dem Boden schiessen. Sie werden die Ernährungsgewohnheiten unserer Gesellschaft positiv beeinflussen sowie den Mangel an Omega-3 aufdecken. Beides fungiert als Nachfrageschub für die Fish & Seafood-Industrie.
Dem wachsenden Bedarf steht ein strukturell limitiertes Angebot gegenüber. Die wichtigsten Quellen für Omega-3 sind Wildfang, Aquakultur und zunehmend auch Algenproduktion. Gleichzeitig sind marine Ressourcen naturgegeben begrenzt und unterliegen strengen regulatorischen Vorgaben. Ein erheblicher Teil des globalen Fischfangs wird bereits heute zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet, während die Aquakultur selbst wiederum auf Omega-3 als Input angewiesen ist. Dadurch verstärkt sich die Nachfrage innerhalb des Systems zusätzlich. Es entsteht ein strukturelles Spannungsfeld: steigende Nachfrage trifft auf begrenzte Skalierbarkeit. Genau diese Dynamik macht das Thema auch aus Investorensicht besonders relevant, da sie langfristig zu einer Verknappung hochwertiger Omega-3-Quellen führen kann.
Exposure zur Produktion der wichtigen Omega-3-Fettsäuren findet man nur im Fish & Seafood-Sektor, der an der Börse vornehmlich aus Small und Mid Caps besteht. Über das "bequemste" Setup verfügen die regulierten Fischereiunternehmen, die bereits heute Omega-3 für den Konsum durch Menschen produzieren. Die Hebelwirkung wird über den steigenden Preis für die wertvollen Rohstoffe Fischöl und Fischmehl stattfinden. Über zusätzliches Ertragspotenzial für EPA & DHA verfügen auch die integrierten Aquakulturen oder nachgelagerte Verarbeiter. Die Filets, die an der Fischtheke im Supermarkt landen, stehen meist nur für 50% der Gesamtproduktion. Der Rest wie Fischkopf, Skelett und Schwanzflosse ist Abfall, enthält aber ebenfalls wertvolles EPA & DHA, das mittels Extraktion zu Supplements verarbeitet werden kann. Aus vermeintlichem Abfall wird plötzlich wertvolles Rohmaterial, was den Umsatz pro Kilogramm steigert und zu höheren Gewinnen führt. Früher oder später wird auch der Finanzmarkt dieses Potenzial erkennen und einpreisen.
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