Omega-3: Gold im Fisch?

Philipp Hämmerli | 29. April 2026

Während Longevity und Gesundheitsoptimierung immer stärker in den Fokus rücken, bleibt ein entscheidender Faktor oft unbeachtet: die Versorgung mit Omega-3 aus maritimen Quellen. Die Diskrepanz zwischen Bedarf und tatsächlicher Aufnahme ist grösser, als viele vermuten – und eröffnet neue Perspektiven, auch über die Gesundheit hinaus.

Fischöl, ob in Kapseln oder aus der Flasche, hilft den eigenen Körper zu stärken. Das Angebot hält langfristig mit der Nachfrage nicht mit - ergo steigt der Preis.

Der stille Mangel an Omega-3

Omega-3 ist essenziell für unsere Gesundheit – und dennoch sind viele Menschen unterversorgt. Blutanalysen zeigen seit Jahren, dass ein Grossteil der Bevölkerung nicht die empfohlenen Werte erreicht, insbesondere beim sogenannten Omega-3-Index, der den Anteil von EPA und DHA im Körper misst. Als optimal gelten Werte zwischen 8 und 11 %, doch viele Menschen liegen deutlich darunter.

Ursachen dafür sind vor allem veränderte Ernährungsgewohnheiten, ein hoher Konsum von Omega-6-Fettsäuren und ein fehlendes Bewusstsein für die eigene Versorgung. Der Konsum von fettreichem Fisch ist in vielen Regionen zu gering, während über Jahrzehnte hinweg industrielle Ernährungsweisen zugenommen haben. Das Ergebnis ist ein struktureller, globaler Mangel, der eine stabile und langfristig wachsende Nachfrage nach Omega-3 schafft.

Weltweite Omega-3-Tests zeigen den Mangel: Nur wenige Länder mit historisch hohem Fischkonsum erreichen Werte von über 8% (Quelle: Schuchardt et al, 2024)

Selbsttest: Vom Defizit zur Verbesserung

Um das Thema greifbarer zu machen, haben wir bei Bonafide unseren eigenen Omega-3-Index messen lassen. Wir sind bekanntlich bekennende Pescetarier, lagen aber mit Werten von <6% unter dem empfohlenen Bereich. So begannen wir nebst dem Konsum von fettreichem Fisch wie Lachs und Makrelen mit der gezielten Supplementierung von Omega-3 in seiner urtümlichsten Form: Lebertran. Schon die Wikinger, Grönländer und die Inuit verwendeten das aus der Leber von Kabeljau gewonnene Öl als Stärkungsmittel. Den Zielwert haben wir noch nicht erreicht, aber Zwischenresultate zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Die Erfahrung zeigt: Der Mangel ist real, aber messbar und beeinflussbar. Erst durch einen konkreten Wert entsteht Bewusstsein für die eigene Versorgung. Gleichzeitig wird deutlich, dass selbst eine bewusste Ernährung oft nicht ausreicht, um optimale Werte zu erreichen. Supplementierung kann effektiv sein – erfordert jedoch Konsistenz. Unsere persönliche Entwicklung spiegelt damit im Kleinen wider, was sich auch im grossen Bild zeigt: eine strukturelle Unterversorgung trifft auf eine wachsende Bereitschaft, diese aktiv zu adressieren.

Steigerung des Omega-3-Index von 5.56% auf 7.88% dank Supplementierung (Quelle: Philipp Hämmerli)

Support vom Longevity-Trend

Während unser 2012 lancierter «Global Fish Fund» altbacken klingt, ist das Nischenprodukt eine Wette auf das Thema «Langlebigkeit» (in Englisch: Longevity). Denn die Chance auf ein «langes Leben» besteht prinzipiell aus drei Kernelementen: genügend Bewegung, ausgewogene Ernährung und Zugang zu einem funktionierenden Gesundheitswesen. Das steigende Bewusstsein führt dazu, dass zusätzlich Longevity-Center und Labore, die Beratung und Tests anbieten, wie Pilze aus dem Boden schiessen. Sie werden die Ernährungsgewohnheiten unserer Gesellschaft positiv beeinflussen sowie den Mangel an Omega-3 aufdecken. Beides fungiert als Nachfrageschub für die Fish & Seafood-Industrie.

Longevity in kurz: Gesunde Bewegung & Ernährung sowie Zugang zum Gesundheitswesen (Quelle: KI generiertes Bild)

Angebot von EPA und DHA bleibt begrenzt

Dem wachsenden Bedarf steht ein strukturell limitiertes Angebot gegenüber. Die wichtigsten Quellen für Omega-3 sind Wildfang, Aquakultur und zunehmend auch Algenproduktion. Gleichzeitig sind marine Ressourcen naturgegeben begrenzt und unterliegen strengen regulatorischen Vorgaben. Ein erheblicher Teil des globalen Fischfangs wird bereits heute zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet, während die Aquakultur selbst wiederum auf Omega-3 als Input angewiesen ist. Dadurch verstärkt sich die Nachfrage innerhalb des Systems zusätzlich. Es entsteht ein strukturelles Spannungsfeld: steigende Nachfrage trifft auf begrenzte Skalierbarkeit. Genau diese Dynamik macht das Thema auch aus Investorensicht besonders relevant, da sie langfristig zu einer Verknappung hochwertiger Omega-3-Quellen führen kann.

Das meiste Omega-3 stammt aus kleinen pelagischen Fischen, für die kein Frischmarkt existiert (Bildquelle: Camanchaca)

Kein Exposure durch Large Caps

Exposure zur Produktion der wichtigen Omega-3-Fettsäuren findet man nur im Fish & Seafood-Sektor, der an der Börse vornehmlich aus Small und Mid Caps besteht. Über das "bequemste" Setup verfügen die regulierten Fischereiunternehmen, die bereits heute Omega-3 für den Konsum durch Menschen produzieren. Die Hebelwirkung wird über den steigenden Preis für die wertvollen Rohstoffe Fischöl und Fischmehl stattfinden. Über zusätzliches Ertragspotenzial für EPA & DHA verfügen auch die integrierten Aquakulturen oder nachgelagerte Verarbeiter. Die Filets, die an der Fischtheke im Supermarkt landen, stehen meist nur für 50% der Gesamtproduktion. Der Rest wie Fischkopf, Skelett und Schwanzflosse ist Abfall, enthält aber ebenfalls wertvolles EPA & DHA, das mittels Extraktion zu Supplements verarbeitet werden kann. Aus vermeintlichem Abfall wird plötzlich wertvolles Rohmaterial, was den Umsatz pro Kilogramm steigert und zu höheren Gewinnen führt. Früher oder später wird auch der Finanzmarkt dieses Potenzial erkennen und einpreisen.

Das Geschäftsmodell "Waste to Value" von Hofseth BioCare wird langfristig von steigenden Preisen für Omega-3 profitieren. (Quelle: HBC)

Preiswerter Lebertran

Bezüglich Preis/Leistung kommt man am traditionellen Lebertran nicht vorbei. Wer den Fischgeschmack nicht verträgt, der wählt beispielsweise Zitronengeschmack.

Omega-3-Index testen

Den eigenen Omega-3-Index kann man beim Arzt, in einer Apotheke oder sogar selbst Zuhause (mit Zusendung an ein Labor) testen. Eine kurze Websuche hilft vertrauenswürdige Anbieter zu finden.

Buch zu Longevity

Um Langlebigkeit zu verstehen, kann man Sachbücher wie "Outlive" des US-Autors Dr. Peter Attia lesen.

Eisenpräparate aus "Lachsblut"

Bereits arbeiten Seafood-Unternehmen am nächsten Upcycling. Beispielsweise hat Lerøy Seafood damit begonnen, aus dem Lachsblut ein getrocknetes Eisenpräparat herzustellen. Viele Menschen leiden an Eisenmangel.

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