Ewigkeitschemikalien & Fisch

Philipp Hämmerli | 17. August 2026

Vor rund einem Jahr begann in der Schweiz das Thema Ewigkeitschemikalien (PFAS) zum Dauerbrenner in den Medien zu werden. Anfänglich kamen wegen behördlichen Verboten insbesondere Fische aus optisch sauberen Schweizer Seen schlecht weg. Mittlerweile dürfte vielen bewusst sein, dass sich PFAS-Rückstände praktisch überall – in Wasser und einer breiten Palette von Lebensmitteln – auffinden lassen. Längst ist man von der Priorität abgerückt, PFAS so schnell wie möglich aus der Umwelt zu beseitigen. Viel mehr gilt es Resilienz in unseren Wassersystemen und der Produktion von Lebensmitteln aufzubauen. Bei Bonafide haben wir uns im Rahmen unserer Risikomanagement-Prozesse intensiv mit dem Thema beschäftigt. Es mag überraschen, aber Lachse aus Norwegen und Wildfische aus dem Ozean haben ein sehr geringes Risiko, PFAS überhaupt zu akkumulieren.

Was sind PFAS?

Zitat von «scnat, akademie der naturwissenschaften»: PFAS sind eine grosse Gruppe synthetischer Chemikalien, die in einer Vielzahl von Anwendungen vorkommen. Weil sie sehr stabil sind und über Jahrhunderte in der Umwelt verbleiben, werden sie umgangssprachlich auch «Ewigkeitschemikalien» genannt. Heute lassen sie sich praktisch überall in der Natur und in jedem Menschen nachweisen. Viele PFAS und/oder deren Abbauprodukte sind für Menschen und auch für die Umwelt schädlich. Stetig steigende Konzentrationen und die damit verbundenen Risiken können nur durch einen schrittweisen, koordinierten Ausstieg aus der Anwendung von PFAS und die Reduktion bereits bestehender Belastungen verhindert werden.

Mehr Basiswissen zu PFAS finden Sie in diesem Factsheet von scnat:

Alltagsprodukte, die PFAS beinhalten. (Quelle: Factsheet scnat)

PFAS: Vorkommen, Risiken und Handlungsansätze

Was hat PFAS mit Fischen zu tun?

Die menschengemachten, schädlichen Chemikalien gelangen in die Umwelt, wo sie sich «ewig» aufhalten. Wissenschaftler bestätigen schon heute, dass wir PFAS wohl nicht mehr aus der Natur wegkriegen. Ausser wir wälzen den gesamten Planeten um und filtern Erde und Wasser. Entsprechend werden wir damit leben und umgehen müssen, indem wir PFAS-resiliente Prozesse aufbauen. Der Fokus richtet sich auf die Mengenkonzentration der Chemikalien, indem der Regulator Grenzwerte festlegt, die eingehalten werden müssen.

Sowohl für Mensch als auch Tier oder Pflanzen erfolgt die Aufnahme durch Wasser und Nahrung. Fische schwimmen bekanntlich im Wasser und karnivore Fische essen kleinere Fische, wodurch sie PFAS schneller akkumulieren. Ähnlich wie wir das vom Schwermetall von Wildfisch kennen, die im Ozean schwimmen. Glücklicherweise ist die PFAS-Belastung in den Weltmeeren nicht hoch, sodass sie problematisch wäre. Aber Wildfische aus Seen in dicht besiedelten Regionen oder Gebieten, wo Industrie existiert und demnach PFAS ins Wasser gelangt, können die Grenzwerte massiv überschreiten. So hat etwa der Kanton Zug im November 2025 ein Verkaufs- und Abgabestopp für Hecht und Egli aus dem Zugersee eingeführt.

Zugersee: Hier gilt ein Verkaufsverbot für Hecht und Egli. (Quelle: Algorino, Pixabay)

SRF-Artikel: Verkaufsstopp für Hecht und Egli

Sind andere Lebensmittel ebenfalls betroffen?

Um herauszufinden, wo die Ewigkeitschemikalien überall drin sind, gibt es nur eine Massnahme: Testen, testen und nochmals testen. Zumindest die Schweiz wirkt in dieser Hinsicht gegenüber der EU oder Norwegen etwas schläfrig. Erst im November 2025 haben Bund und Kantone die Resultate einer schweizweiten Kampagne zum Vorkommen von PFAS in tierischen Lebensmitteln vorgelegt. Resultat: In sieben (0.8%) von 889 amtlichen Proben lagen die Konzentrationen über dem gesetzlichen Höchstwert. PFAS nachgewiesen wurde aber in 220 Proben, also in jedem vierten getesteten Lebensmittel. Und dies in Fleisch, Eiern, Milch, Käse und Fisch. Für pflanzliche Lebensmittel stehen solche Tests erst noch an, die bislang durchgeführten Proben der Landwirtschaftsböden lassen aber nichts Gutes vermuten.

Ewigkeitschemikalien machen kein Halt vor Kuhmilch oder Rindfleisch. (Quelle: Pixabay)

Norwegens Behörden begannen bereits 2010 ihren Zuchtfisch im Rahmen des Überwachungsprogramms auch auf PFAS zu untersuchen. Wenn wir das letztverfügbare Monitoring Programm fürs Jahr 2024 analysieren, finden wir 264 durchgeführte Proben für atlantischen Zuchtlachs. Lediglich in einer einzigen Probe wurden PFAS nachgewiesen und dies in einer Menge, die den von der EU festgelegten Höchstwert um 70x unterschreitet. Die Zuchtfische in Norwegen hätten zwei Möglichkeiten PFAS aufzunehmen: Mittels Wasser oder Fischfutter. Beides scheint unproblematisch.

Test auf Rückstände in einem Labor. (Quelle: Pixabay)

November 2025 - Bericht «Schweizweite Kampagne zum Vorkommen von PFAS in tierischen Lebensmitteln»

August 2025 - Monitoring program for pharmaceuticals, illegal substances, and contaminants in farmed fish

März 2026 - PFAS: Milchmonitoring im Kanton Zürich

Gefahrenkarten helfen

Um zu verstehen, wieso norwegische Lachse in Bezug auf Ewigkeitschemikalien unproblematisch sind, während ein Verbot für Fische aus dem Zugersee besteht, dazu hilft die PFAS-Gefahrenkarte. Sie zeigt relativ eindrücklich auf, wo überall in Europa PFAS-belastete Gebiete aufzufinden sind. Schnell wird klar, dass insbesondere in dicht besiedelte Gebiete sowie industrielle Standorte die Verschmutzung am grössten ist. Und damit auch die Gefahr, PFAS über Trinkwasser oder lokaler Nahrung aufzunehmen. Es ist nur verständlich, dass in abgelegenen Fjorden Norwegens viel weniger Chemikalien beispielsweise zum Löschen von Feuerbränden zum Einsatz kamen. Nachvollziehbar ist ebenso, dass am Flughafen Zürich die Feuerwehr regelmässig die Löschung von brennenden Flugzeugen mit PFAS-haltigem Schaum probte und dadurch unwissentlich die Böden kontaminierte.

Für den Konsum von Wildfischen aus dem Ozean gibt es vorerst Entwarnung: PFAS, das via Flüsse in die Ozeane fliesst, dürfte sich in den Weltmeeren so stark verwässern, dass es unproblematisch bleibt und nicht genügend akkumuliert.

Investigativer Journalismus mappt Ewigkeitschemikalien. (Quelle: foreverpollution.eu)

Der grösste Hebel: Wasserfiltration

Im März 2026 haben wir am «PFAS Forward Action Summit» von Oxyle in Zürich teilgenommen. Das Spinoff der ETH Zürich hat eine Technologie entwickelt, um die Chemikalien aus dem Wasser zu filtern. Am Event selbst, wo Wissenschaftler, Behörden und Unternehmen teilnahmen, lag der Fokus verständlicherweise wesentlich stärker beim Naturkapital (Wasser und Böden) als bei den Endprodukten (Nahrung). Einer der Vorträge handelte von Rastatt, eine kleine deutsche Stadt zwischen Strassburg und Karlsruhe. Dort wurde Grundwasser durch das Ausbringen von vermeintlich unproblematischen Abfällen der Papierindustrie mit PFAS verunreinigt. Der lokale Wasserversorger musste daraufhin 3 von 9 Pumpstation abstellen, die anderen mit Filtertechnologien ausstatten. Die Kosten für die Trinkwasseraufbereitung hat sich dadurch verdoppelt. Wer nun argumentiert, dass der Verschmutzer die Kosten zu tragen hat, ist etwas forsch. Zum damaligen Zeitpunkt hat niemand gegen geltendes Recht verstossen – da die Gefahren von Ewigkeitschemikalien scheinbar noch nicht erforscht waren. Es würde nicht überraschen, wenn in Zukunft vermehrt PFAS-Klagen gegen Chemie-Unternehmen oder andere Verschmutzer unsere Gerichte beschäftigen.

Die Aufräumaktion respektive der Aufbau von PFAS-resilienten Systemen wird auch Gewinner hervorbringen. Einerseits sind dies Labore, deren Testvolumen steigen werden. Auf politischen Druck hin werden die Staaten die regulatorischen Anforderungen an die Lebensmittelindustrie verstärken müssen. Andererseits wie eingangs Abschnitt erwähnt, werden Unternehmen, die Filtrationslösungen für Wasser anbieten, stark profitieren.

Teilnahme am PFAS Forward Action Summit 2026 von Oxyle in Zürich. (Quelle: Bonafide)

Fazit

Mediale Ruhe um Ewigkeitschemikalien wird kaum einkehren. Die Vorstellung PFAS mittels Trinkwasser und Nahrung aufzunehmen ist zu emotional, dabei ist es seit mehreren Jahren Realität – messbar im eigenen Körper. Für Konsumenten müssen die Behörden das Vertrauen in die Lebensmittelkontrollen schärfen. Das weitläufige Credo «Lokaler Konsum ist besser» dürfte an Bedeutung verlieren – sichere Produkte sind gefragt. Unternehmen oder Industrien wie die Lachszucht in Norwegen können Abhilfe schaffen, indem sie selbst die Resilienz gegen PFAS erhöhen. So werden mittlerweile auch die Rohstoffe, die in die Futtermittel gelangen auf PFAS getestet, was Konsumentenvertrauen schafft. Für Investoren in der Lebensmittelindustrie sind Ewigkeitschemikalien wie andere Giftstoffe (Quecksilber oder Pestizide) als potenzielles Risiko einzuordnen. Und Risiken gehören aktiv gemanagt, indem neues Wissen gewonnen wird, Unternehmen fortlaufend kontrolliert werden und ein robuster Investitionsprozess schwarze Schafe aussortiert.

PFAS-Rückstände schon bei den Rohstoffen für Fischfutter auffinden. (Quelle: Bonafide)

Pure Food. Pure Water.

Im November 2025 veranstaltete Bonafide einen Event in Zürich zum Thema PFAS. Keynote Speaker war Prof. Dr. Martin Scheringer von der ETH Zürich, der seit mehreren Jahren zu PFAS forscht. Sie finden Bildmaterial vom Anlass sowie die Präsentation nachfolgend.

Pure Food. Pure Water.

Im November 2025 veranstaltete Bonafide einen Event in Zürich zum Thema PFAS. Keynote Speaker war Prof. Dr. Martin Scheringer von der ETH Zürich, der seit mehreren Jahren zu PFAS forscht. Sie finden Bildmaterial vom Anlass sowie die Präsentation nachfolgend.

Pure Food. Pure Water.

Im November 2025 veranstaltete Bonafide einen Event in Zürich zum Thema PFAS. Keynote Speaker war Prof. Dr. Martin Scheringer von der ETH Zürich, der seit mehreren Jahren zu PFAS forscht. Sie finden Bildmaterial vom Anlass sowie die Präsentation nachfolgend.

Pure Food. Pure Water.

Im November 2025 veranstaltete Bonafide einen Event in Zürich zum Thema PFAS. Keynote Speaker war Prof. Dr. Martin Scheringer von der ETH Zürich, der seit mehreren Jahren zu PFAS forscht. Sie finden Bildmaterial vom Anlass sowie die Präsentation nachfolgend.

Pure Food. Pure Water.

Im November 2025 veranstaltete Bonafide einen Event in Zürich zum Thema PFAS. Keynote Speaker war Prof. Dr. Martin Scheringer von der ETH Zürich, der seit mehreren Jahren zu PFAS forscht. Sie finden Bildmaterial vom Anlass sowie die Präsentation nachfolgend.

Pure Food. Pure Water.

Im November 2025 veranstaltete Bonafide einen Event in Zürich zum Thema PFAS. Keynote Speaker war Prof. Dr. Martin Scheringer von der ETH Zürich, der seit mehreren Jahren zu PFAS forscht. Sie finden Bildmaterial vom Anlass sowie die Präsentation nachfolgend.

Pure Food. Pure Water.

Im November 2025 veranstaltete Bonafide einen Event in Zürich zum Thema PFAS. Keynote Speaker war Prof. Dr. Martin Scheringer von der ETH Zürich, der seit mehreren Jahren zu PFAS forscht. Sie finden Bildmaterial vom Anlass sowie die Präsentation nachfolgend.

Pure Food. Pure Water. Event Präsentation

Kommentare